Leben mit Diabetes

Zu einem Leben mit Diabetes gehört auch, in besonderen Situationen achtsam zu sein. Dies sollte jedoch nicht daran hindern, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Ob es um das Reisen, die Freizeitgestaltung oder den Sport geht – was zählt ist eine gute Vorbereitung und ein gutes Diabetes-Management. Die folgenden Situationen erfordern eine besondere Aufmerksamkeit.

Leben mit Diabetes

Zu einem Leben mit Diabetes gehört auch, in besonderen Situationen achtsam zu sein. Dies sollte jedoch nicht daran hindern, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Ob es um das Reisen, die Freizeitgestaltung oder den Sport geht – was zählt ist eine gute Vorbereitung und ein gutes Diabetes-Management. Die folgenden Situationen erfordern eine besondere Aufmerksamkeit.

Diabetes und Schwangerschaft

Diabetikerinnen ohne Folgeerkrankungen, die sich ein Kind wünschen, gehen bei gut eingestellten Blutzuckerwerten kein gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind ein und können grundsätzlich eine komplikationslose Schwangerschaft erleben. Dennoch sollten bei bestehendem Kinderwunsch Fachärzt:innen zur Beratung hinzugezogen werden.

Antidiabetika während der Schwangerschaft

In der Regel dürfen Schwangere keine Antidiabetika in Tablettenform einnehmen, da deren Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes immer noch unklar sind.

Eine Schwangerschaft sollte gut geplant werden und die Blutzuckerwerte sollten bereits vor der Empfängnis im normnahen Bereich liegen. Die optimale Blutzuckereinstellung minimiert die diabetesbedingten Risiken erheblich. Zudem ist es wichtig, vor Schwangerschaftsbeginn abklären zu lassen, ob Folgeerkrankungen bestehen.

Um während der Schwangerschaft eine optimale Therapie sicherzustellen, ist eine engmaschige ärztliche Betreuung notwendig. Aufgrund der Hormonschwankungen stellt die Blutzuckereinstellung eine besondere Herausforderung dar.

Laut Deutscher Diabetes Gesellschaft gelten folgende Blutzuckerwerte als optimal für Schwangere:

  • 65 – 95 mg/dl (3,6 – 5,3 mmol/l) vor einer Mahlzeit
  • <140 mg/dl (7,7 mmol/l) eine Stunde nach einer Mahlzeit
  • <120 mg/dl (6,6 mmol/l) zwei Stunden nach einer Mahlzeit

Zusätzlich erfolgt die Bestimmung des HbA1c in regelmäßigen Abständen von 4 – 6 Wochen.

Der Insulinbedarf nimmt bis ca. zur 14. Schwangerschaftswoche ab. Mitte der Schwangerschaft kommt es dann zu einem steilen Anstieg und während der Geburt sinkt der Insulinbedarf wieder radikal.

Das Risiko einer Frühgeburt ist bei Diabetikerinnen erhöht. Perinatalzentren (Level 1 & 2) sind auf Frühgeburten spezialisiert. Es wird empfohlen, das Kind in einem solchen Zentrum zur Welt zu bringen.

Durch die vollumfängliche ärztliche Betreuung und eine gute Blutzuckereinstellung können werdende Mütter mit Diabetes die Schwangerschaft unbeschwerter erleben.

Risikoschwangerschaft mit Diabetes?

Schwangere Frauen mit Diabetes fallen in die Gruppe der Risikoschwangerschaften. Hier kann die Ausstellung einer sofortigen AU notwendig sein.

Berufswahl und Diabetes

Gut eingestellte Diabetiker:innen, die keine Folgeerkrankungen haben, können fast jeden Beruf – entsprechend ihrer Fähigkeiten – ausüben. Ausnahmen bestehen, wenn Menschen mit Diabetes sich und andere bei Ausübung der Tätigkeit durch Stoffwechselentgleisungen gefährden könnten. Für Diabetiker:innen ungeeignete Berufe sind z. B. Berufe mit Absturzgefahr (Gebäudereiniger:innen oder Dachdecker:innen), Überwachungsfunktionen (Fluglotse:innen) oder Schusswaffengebrauch (Polizist:innen).

Eine jährliche Bescheinigung von Ärzt:innen, mit der die Eignung für bestimmte Berufe bestätigt wird, könnte gegebenenfalls notwendig sein. Wird aufgrund eines festgestellten Diabetes ein Berufswechsel notwendig, wird die Umschulung im Regelfall vom Arbeitsamt oder der Rentenversicherung genehmigt.

Diabetes bei Kindern

Bei Kindern tritt der Diabetes Typ-1 am häufigsten auf. Betroffene Kinder brauchen zwar besondere Aufmerksamkeit und auch im Alltag ändert sich einiges, sie können aber im Großen und Ganzen ein normales Leben führen. Die Anzeichen für einen Diabetes mellitus im Kindesalter entsprechen denen von Erwachsenen.

Diabetes-Management

Das Diabetes-Management begleitet diabetische Kinder zu Hause, in der Schule oder im Kindergarten. In speziellen Schulungen lernen Eltern und Kinder direkt nach der Diagnose, wie der Alltag mit Diabetes gemeistert werden kann.

Schulungen können Ängste abbauen

Der Diabetes eines Kindes sollte frühzeitig bei Lehrer:innen und Erzieher:innen thematisiert werden. Lehrer:innen und Betreuer:innen können sich ebenfalls in Diabeteszentren schulen lassen. Teilweise werden auch Informationsveranstaltungen direkt an den Schulen angeboten. Detailliertes Wissen über die Diabetestherapie hilft dabei, Ängste abzubauen.

Sollten Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter mit dem eigenständigen Diabetes-Management überfordert sein, kann bei der Krankenkasse ein Pflegedienst beantragt werden. Der Pflegedienst kommt zu festen Zeiten in die Schule oder in den Kindergarten, misst den Blutzuckerwert und verabreicht Insulin. Allerdings hat der Pflegedienst nur ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung. Ein Abwarten, ob eine Mahlzeit für die Insulin gespritzt wurde, auch aufgegessen wird, ist leider nicht möglich.

Wird mehr Unterstützung benötigt, kann eine Eingliederungs- und Integrationshilfe beim Sozialamt beantragt werden. Diese begleiten Kinder während des gesamten Kindergarten- oder Schultages.

Eine Vereinfachung im Diabetes-Alltag stellt auch die Insulinpumpen-Therapie dar, die heutzutage vielen Kindern direkt nach der Diagnose verschrieben wird.

Klassenfahrten

Die Teilnahme an mehrtägigen Klassenfahrten oder Ausflügen ist für Kinder, die ihr Diabetes-Management selbstständig bewältigen, problemlos möglich. Abhängig von Alter und Selbstständigkeit kann es aber sinnvoll sein, dem Kind in diesen Situationen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, da die Therapie bei ungewohnten körperlichen Belastungen und einem veränderten Tagesablauf angepasst werden muss. Auch eine gute Vorbereitung ist sehr wichtig. Bei kleineren Kindern sollte ein Elternteil nach Möglichkeit als Begleitperson an Ausflügen oder Klassenfahrten teilnehmen.

Krankheit

Werden Kinder mit Diabetes krank, müssen die Blutzuckerwerte häufiger kontrolliert werden, da Infekte den Blutzuckerwert durcheinanderbringen. Durch fieberhafte Erkankungen wird beispielsweise der Insulinbedarf erhöht. Bei Erbrechen und Durchfall kann die Kohlenhydratverwertung des Körpers gestört sein, wodurch das Risiko für eine Unterzuckerung steigt. In diesen Fällen sollten unbedingt Ärzt:innen kontaktiert und etwaige Anpassungen in der Therapie abgesprochen werden.

Gleiches gilt für kranke, erwachsene Diabetiker:innen.

Pubertät

Kommen Kinder bzw. Jugendliche in die Pubertät, kann dies Auswirkungen auf die Blutzuckerwerte haben. Sexualhormone werden unregelmäßig und zugleich vermehrt produziert. Dadurch sind die Körperzellen weniger empfindlich gegenüber Insulin. Aufgrund von Wachstumshormonen steigt der Blutzucker morgens an (Dawn-Phänomen). Trotz hervorragendem Diabetes-Management können die pubertätsbedingten starken Schwankungen des Blutzuckers zu einem wiederholten Anstieg des Langzeitblutzuckerwertes „HbA1c“ über den Zielwert führen.

Diabetes im Straßenverkehr

Diabetiker:innen dürfen am Straßenverkehr teilnehmen und ein Fahrzeug führen. Es sollten nur einige Punkte beachtet werden:

  • Der Blutzucker sollte im Normbereich liegen
  • Blutzuckerwert und gegebenfalls gegessene Kohlenhydrate notieren
  • Insulininjektionen und Mahlzeiten bei längeren Autofahrten einhalten
  • Blutzucker kontrollieren, eventuell etwas essen und trinken, ein wenig bewegen
  • z. B. Traubenzucker oder Cola im Fach in der Fahrertür
  • Schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen und erst weiterfahren, wenn der Blutzucker wieder angestiegen ist

Diabetes und Reisen

Bei geplanten Urlaubsreisen ist eine gute Vorbereitung das A und O. Vor und während einer Reise sollten jedoch einige Punkte beachtet werden:

  • Diabetiker:innen sollten sich vor Auslandsreisen einen Überblick über landestypische Lebensmittel und zugehörige Nährwert-Tabellen, die Gesundheitsversorgung vor Ort und die hygienischen Bedingungen verschaffen.
  • Wichtig ist, den Impfschutz durch Ärzt:innen vor Reisebeginn prüfen zu lassen.
  • Den Diabetes-Ausweis nicht vergessen: Die darin enthaltenen Informationen sollten in der jeweiligen Landessprache oder auf Englisch notiert sein, damit im Notfall schnell geholfen werden kann.
  • Zeitverschiebungen haben einen Einfluss auf den Insulinbedarf. Werden die Tage länger, steigt der Insulinbedarf. Verkürzen sich die Tage, verringert sich der Insulinbedarf. Notwendige Anpassungen müssen vor Reiseantritt mit Ärzt:innen festgelegt werden.
  • Diabetiker:innen sollten sich für mögliche Grenzkontrollen und Flugreisen eine ärztliche Bescheinigung ausstellen lassen, wenn Spritzen oder Insulin mitgeführt werden.
  • Die 1,5-fache bis doppelte Menge des Diabetesbedarfs (auf zwei Gepäckstücke aufgeteilt) sollte mitgenommen werden. Den Bedarf für die ersten Tage und Medikation, sowie das Insulin am besten im Handgepäck verstauen, da Insulin durch die Kälte im Laderaum wirkungslos werden könnte.
  • Menschen bewegen sich im Urlaub häufig mehr, was dazu führt, dass Medikamenteneinnahme und Kohlenhydratzufuhr entsprechend angepasst werden müssen. Eine regelmäßige Blutzucker-Selbstkontrolle ist deswegen von großer Wichtigkeit.
  • Insulin wirkt bei Hitze schneller. Das heißt, der Blutzucker kann schneller sinken. Der Spritz-Ess-Abstand muss in diesem Fall angepasst werden. Mit entsprechenden Kühltaschen oder Thermoskannen kann das Insulin vor Hitze geschützt werden.

FAQ

Hier finden Sie schnelle und einfache Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Leben mit Diabetes. Wir hoffen, dass Sie in diesem Bereich alle Antworten finden. Sollten Sie dennoch Fragen haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

Der sogenannte „Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes“ ist eine Form der Zuckerkrankheit (Typ 4), die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt und diagnostiziert wird. Bei den meisten Frauen verschwindet der Gestationsdiabetes nach der Schwangerschaft wieder.

Diabetikerinnen ohne Folgeerkrankungen, die gut eingestellte Blutzuckerwerte haben, können grundsätzlich eine komplikationslose Schwangerschaft erleben. Eine enge ärztliche Betreuung ist jedoch wichtig.

Bis ca. zur 14. Woche nimmt der Insulinbedarf ab, steigt dann stark bis zur Geburt und sinkt danach stark wieder ab.

Grundsätzlich ja, wenn der Diabetes gut eingestellt ist und keine Folgeerkrankungen bestehen.
Einschränkungen gibt es bei Berufen mit Absturzgefahr, Schusswaffengebrauch oder Überwachungsfunktionen (z. B. Dachdecker:innen, Polizist:innen, Fluglotsen).

Ja, eine jährliche Bescheinigung über die Eignung kann erforderlich sein. Bei notwendigen Berufswechseln können Umschulungskosten vom Arbeitsamt oder von der Rentenversicherung übernommen werden.

Ja. Kinder mit Typ-1-Diabetes können ein ganz normales Leben führen, vorausgesetzt, ihr Diabetes wird im Alltag gut gemanagt. Schulungen und Aufklärung für Kinder, Eltern sowie Lehrer:innen und Betreuer:innen helfen dabei, den Umgang im Kindergarten, in der Schule und zu Hause zu erleichtern.

Pflegedienste oder Integrationshilfen können bei Bedarf den Blutzucker messen und Insulin verabreichen. Insulinpumpen erleichtern zudem die Therapie, indem sie den Insulinbedarf kontinuierlich steuern und individuell anpassen.

Wenn ein Infekt vorliegt, beeinflusst dies den Blutzucker und verändert den Insulinbedarf. Bei Erbrechen oder Durchfall steigt das Risiko einer Unterzuckerung und es sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Unregelmäßig und vermehrt produzierte Sexualhormone können die Insulinempfindlichkeit reduzieren. Aufgrund der Wachstumshormone kann der Blutzuckerspiegel morgens ansteigen (Dawn Phänomen). Die pubertätsbedingten Blutzuckerschwankungen können trotz gutem Diabetes Management zu erhöhten HbA1c-Werten führen.

Diabetiker:innen dürfen Auto fahren, solange die Blutzuckerwerte im Normbereich liegen, regelmäßig kontrolliert werden und alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden.

  • Die Fahrt nur beginnen, wenn der Blutzucker im Normbereich liegt
  • Alle 2 Stunden Pausen mit Blutzucker-Kontrolle einlegen
  • Notfall-BE (z. B. Traubenzucker) griffbereit haben
  • Bei den geringsten Anzeichen einer Unterzuckerung sofort anhalten und schnell wirkende Kohlenhydrate einnehmen
  • Landestypische Lebensmittel und Gesundheitsversorgung prüfen
  • Impfstatus überprüfen lassen
  • Diabetes-Ausweis mitführen (Landessprache/Englisch)
  • Arztbescheinigung für Insulin und Spritzen mitnehmen
  • Einfluss von Zeitverschiebungen auf den Insulinbedarf berücksichtigen
  • Auf verändertes Bewegungsverhalten (mehr Bewegung im Urlaub) reagieren
  • Schnellere Wirkung von Insulin bei Hitze berücksichtigen und Insulin in Kühltaschen oder Thermoskannen aufbewahren

1,5- bis 2-fache Menge des Bedarfs, auf zwei Gepäckstücke verteilt. Medikamente und Insulin am besten im Handgepäck verstauen.

Sie erreichen uns unter unseren
kostenfreien Servicerufnummern:

0800 – 1 22 77 77
für Patient:innen

0800 – 1 22 77 79
für Fachpersonal

(Mo — Fr von 8 — 16.30 Uhr)

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