Erste Hilfe bei Diabetes – sicher reagieren

Bei Menschen mit Diabetes können Komplikationen in Form von Über- und Unterzuckerungen auftreten. Auf diese Ernstfälle sollten Betroffene und Angehörige gut vorbereitet sein.

Erste Hilfe bei Diabetes – sicher reagieren

Bei Menschen mit Diabetes können Komplikationen in Form von Über- und Unterzuckerungen auftreten. Auf diese Ernstfälle sollten Betroffene und Angehörige gut vorbereitet sein.

Thema auswählen & direkt lesen:

Anzeichen und Ursachen

Es gibt unterschiedliche Anzeichen und Ursachen, die auf eine Über- oder Unterzuckerung hindeuten können. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Symptome einer Überzuckerung oder Unterzuckerung von Person zu Person unterschiedlich sein können. Während manche Diabetiker:innen nur leichte Symptome aufweisen, können andere starke Symptome aufweisen. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Blutzuckerwert regelmäßig zu überprüfen und bei Verdacht einer Über- oder Unterzuckerung sofort Ärzt:innen zu kontaktieren.

Überzuckerung

(> 180 mg/dl (10 mmol/l))

Mögliche Ursachen:

  • Zu wenig Insulin / Tabletten verabreicht oder vergessen
  • Zu viel gegessen
  • Nicht diagnostizierter Diabetes (Erstauftreten)
  • Einnahme von Entwässerungsmedikamenten oder Kortison
  • Stress
  • Infekte mit Fieber
  • Defekte Insulinpumpe / Insulin-Pen

Mögliche Anzeichen:

  • Starker Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • Bauchschmerzen
  • Acetongeruch in der Atemluft
  • Übelkeit (wenn der Wert schon länger erhöht ist)
  • Erbrechen (wenn der Wert schon länger erhöht ist)

Unterzuckerung

(< 70 mg/dl (3,9 mmol/l))

Mögliche Ursachen:

  • Zu viel Insulin / Tabletten verabreicht
  • Zu wenig Kohlenhydrate verzehrt
  • Zu viel Bewegung / Sport
  • Insulin gespritzt und Mahlzeit vergessen
  • Spritzstellenverhärtungen
  • Alkohol

Mögliche Anzeichen:

  • Kribbeln
  • Kalter Schweiß
  • Hautblässe
  • Zittern, weiche Knie
  • Nervosität, Unruhe und erhöhter Puls
  • Heißhunger
  • Konzentrationsstörungen
  • Seh- und Sprachstörungen
  • Schwindelgefühl
  • Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit

Sofortmaßnahmen

Kündigt sich eine Überzuckerung (Hyperglykämie) an, treten zunächst leichte Beschwerden auf, die ohne Behandlung über einen längeren Zeitraum zu einem diabetischen Koma führen können. Gegenmaßnahmen bei einer Überzuckerung sind die Injektion von schnell wirkendem Insulin und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Sollten sich die Blutzuckerwerte und das Befinden nicht verbessern oder keine blutzuckersenkenden Medikamente verfügbar sein, müssen Notärzt:innen verständigt werden.

Auch eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) stellt eine ernsthafte Notfallsituation dar.

Treten Symptome auf, die auf eine Unterzuckerung hinweisen oder liegt der Blutzuckerspiegel unter 70 mg/dl bzw. 3,9 mmol/l, sollte sofort reagiert werden:

Icon eines Bluttropfens
  • Mindestens 1–2 schnelle Broteinheiten (BE) oder Kohlenhydrateinheiten (KE) z. B. 4 Tafeln Traubenzucker, 1 Tube Zuckerlösung, 200 ml Apfelsaft oder zuckerhaltige Limonade – keine Light-Getränke
  • Anschließend eine langsame BE z. B. Brot oder ein Schokoriegel, um ein erneutes Absinken des Blutzuckerspiegels zu vermeiden
  • Blutzuckerwert nach 15 Minuten überprüfen – der Wert sollte steigen
  • Nach 30 Minuten sollte der Blutzucker > 100 mg/dl bzw. > 5,6 mmol/l sein
Icon einer Spritze

Wichtig!

Sollte es bei einer Unterzuckerung zur Bewusstlosigkeit kommen, hilft nur noch das Injizieren einer Glukagon-Notfallspritze oder die Anwendung eines Glukagon-Nasensprays.

Notfall Broteinheiten wie Traubenzucker müssen immer griffbereit sein, um auf eine Unterzuckerung reagieren zu können.

FAQ

Hier finden Sie schnelle und einfache Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Erste Hilfe. Wir hoffen, dass Sie in diesem Bereich alle Antworten finden. Sollten Sie dennoch Fragen haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

Mögliche Symptome einer Überzuckerung sind: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Sehstörungen, Bauchschmerzen, Acetongeruch in der Atemluft, Übelkeit oder Erbrechen bei länger anhaltend hohen Werten.

Symptome einer Unterzuckerung können sein: Kribbeln, kalter Schweiß, Hautblässe, Zittern, weiche Knie, Nervosität, erhöhter Puls, Heißhunger, Konzentrationsstörungen, Seh- und Sprachstörungen, Schwindel bis hin zu Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit.

Unterzuckerung: Blutzuckerwert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l)

Überzuckerung: Blutzuckerwert über 180 mg/dl (10 mmol/l)

Ein diabetisches Koma ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der bei Menschen mit einem Typ-1- Diabetes oder einem fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes auftreten kann. Hierbei handelt es sich um einen Notfall, der sofortige medizinische Aufmerksamkeit erfordert. Bei einem diabetischen Koma kommt es zu einer extremen Störung des Blutzuckerspiegels. Diese ist entweder durch einen Insulinmangel oder eine Insulinresistenz bedingt. Dies führt zu einer Anhäufung von Glukose im Blut und einer Veränderung des Stoffwechsels. Es gibt drei Haupttypen von diabetischem Koma:

Hypoglykämisches Koma: Tritt aufgrund von extrem niedrigem Blutzucker auf und kann bei Menschen mit Diabetes vorkommen, die zu viel Insulin eingenommen oder zu wenig Kohlenhydrate zu sich genommen haben. Es kann Symptome wie Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit hervorrufen und in schweren Fällen auch zum Koma führen.

Diabetische Ketoazidose (DKA): Tritt normalerweise bei Typ-1-Diabetiker:innen auf und ist durch einen Mangel an Insulin bedingt. Ohne ausreichend Insulin können die Körperzellen nicht auf Glukose zugreifen. Dies führt dazu, dass der Körper zur Energiegewinnung Fett abbaut. Es bilden sich sogenannte Ketone als Nebenprodukt. Eine erhöhte Menge an Ketonen im Blut führt zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durst, häufigem Wasserlassen, Müdigkeit und Verwirrtheit.

Hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom (HHS): HHS tritt üblicherweise bei Menschen mit einem fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes auf. Es ist gekennzeichnet durch extrem hohe Blutzuckerwerte und eine ausgeprägte Dehydration aufgrund von übermäßigem Wasserlassen. Es kann zu Symptomen wie starkem Durst, extremer Müdigkeit, Verwirrtheit, Sehstörungen, trockener Haut und Schwäche führen.

Eine Glukagon Notfall-Spritze wird zur Behandlung einer schweren Unterzuckerung (Hypoglykämie) eingesetzt. Sie enthält das Hormon Glukagon, das den Blutzuckerspiegel schnell erhöhen kann. Im Notfall kann die Spritze verabreicht werden, um einer nicht mehr ansprechbaren oder bewusstlosen Person mit einer schweren Unterzuckerung zu helfen. Die Glukagon Notfall-Spritze wird in der Regel unter die Haut (subkutan) injiziert. Hierbei handelt es sich um eine Maßnahme, bei der der Blutzuckerspiegel temporär erhöht wird. Nach der Anwendung einer solchen Notfall-Spritze sollte die betroffene Person unverzüglich medizinisch behandelt werden, um eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels zu gewährleisten.

Eine Zuckerlösung für Diabetiker, ist eine Flüssigkeit, die Glukose enthält und bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) eingesetzt wird. Die Zuckerlösung wird als Gel oder Sirup in kleinen Tuben oder Fläschchen angeboten und ist in unterschiedlichen Konzentrationen verfügbar. Die Zuckerlösung wird oral eingenommen und die darin enthaltene Glukose gelangt schnell in den Blutkreislauf. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel erhöht.

Sie erreichen uns unter unseren
kostenfreien Servicerufnummern:

0800 – 1 22 77 77
für Patient:innen

0800 – 1 22 77 79
für Fachpersonal

(Mo — Fr von 8 — 16.30 Uhr)

Jetzt noch mehr erfahren!

Besuchen Sie auch unsere anderen Themenseiten rund um Diabetes.