Diabetes-Behandlung

Eine Diabetes-Erkrankung kann sich auf unterschiedliche Regionen des Körpers auswirken und sollte möglichst individuell auf den jeweiligen Patienten:innen abgestimmt sein. Folgende Behandlungen werden je nach Diabetes-Typ und Krankheitsbild vorgenommen:

Diabetes-Behandlung

Eine Diabetes-Erkrankung kann sich auf unterschiedliche Regionen des Körpers auswirken und sollte möglichst individuell auf den jeweiligen Patienten:innen abgestimmt sein. Folgende Behandlungen werden je nach Diabetes-Typ und Krankheitsbild vorgenommen:

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Insulintherapie

Typ-1-Diabetiker:innen erhalten aufgrund ihres absoluten Insulinmangels immer eine Behandlung mit Insulin. Hierbei wird in unterschiedliche Therapieformen unterschieden. Die standardmäßige Behandlung eines Typ-1-Diabetes ist die „Intensivierte konventionelle Therapie“ (ICT), auch Basis-Bolus-Therapie genannt. Hierbei wird zweimal am Tag ein lang wirkendes Basis-Insulin und vor jeder Mahlzeit ein kurz wirkendes Bolus-Insulin injiziert. Die Dosis wird dem tatsächlichen Bedarf angepasst und individuell vom Betroffenen je nach Blutzuckerwert und Kohlenhydratgehalt der Mahlzeit berechnet.

Insulintherapie – Unterscheidung nach Aufbau

Existierende Begleiterkrankungen wie beispielsweise eine fortgeschrittene Demenz, oder wenn Patient:innen aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, ihren Diabetes eigenständig zu managen, führen zu einer Anpassung der Diabetes-Behandlung. In solchen Fällen wird auf eine „konventionelle Insulintherapie“ (CT) zurückgegriffen. Im Gegensatz zu der ICT wird hierbei meist nur zweimal am Tag eine Mischung aus lang und kurz wirkendem Insulin (Mischinsulin) gespritzt. Die CT lässt keine Flexibilität zu, sodass die Nahrungsaufnahme bezüglich berechneter Menge und Tageszeit genau passen muss.

Insulintherapie – Unterscheidung nach Wirkdauer

Die „Basal unterstützte orale Therapie“ (BOT) wird meist bei Typ-2-Diabetiker:innen eingesetzt, deren morgentlicher Nüchternblutzuckerwert zu hoch ist. Betroffene nehmen Tabletten ein, die den Blutzucker senken und injizieren sich abends ergänzend ein langwirkendes Insulin, wodurch ein starker Anstieg des Blutzuckers über Nacht verhindert werden soll.

Für Diabetiker:innen, die vor allem nach der Mahlzeit erheblich erhöhte Blutzuckerwerte haben, kommt die „Supplementäre Insulintherapie“ (SIT) zum Einsatz. Neben der Einnahme blutzuckersenkender Medikamente spritzen sich Betroffene zusätzlich zu den Mahlzeiten ein kurzwirkendes Insulin.

Insulininjektion

Vorgehen bei der Injektion von Insulin

  • Schritt 1: Hautfalte bilden und festhalten
  • Schritt 2: In Unterhautfettgewebe spritzen
  • Injektionsstellen: Bauch (mindestens 3 cm vom Bauchnabel entfernt, aber nicht zu weit Richtung Beckenknochen), Gesäß, Hüftspeck oder Oberschenkelaußenseite
  • Wichtig: Zur Vermeidung von Verhärtungen Einstichstellen wechseln

Wohin mit welchem Insulin?

Grundsätzlich gilt bei der Insulininjektion, dass schnell wirksame Insuline besser über die Bauchdecke gespritzt werden sollten und langsam wirkende Insuline eher in den Oberschenkel.

Insulinpumpen

Wenn die Blutzuckereinstellung mit den herkömmlichen Insulintherapien nicht erfolgreich ist, hat das für Diabetiker:innen häufig schwere Unterzuckerungen, stark schwankende Blutzuckerwerte oder einen unregelmäßigen Tagesablauf zur Folge. In solchen Fällen werden Insulinpumpen zur Therapie eingesetzt. So kommt beispielsweise bei Menschen mit Diabetes, die einen Kinderwunsch haben, eine Insulinpumpentherapie zum Einsatz, da hier eine Blutzuckerstabilisierung zwingend erforderlich ist. Auch Kinder erhalten heutzutage oft nach ihrer Erstdiagnose eine Insulinpumpe.

Kontinuierliche subkutane Insulin Infusion

Bei der Insulinpumpen-Therapie (CSII – continuous subcutaneous insulin infusion) tragen Diabetiker:innen ein kleines Gerät z. B. an ihrem Hosenbund. Ein dünner Schlauch verbindet das Gerät mit einer Kanüle, die oftmals unter die Haut am Bauch appliziert wird. Das Insulin wird über den Schlauch direkt ins Unterhautfettgewebe geleitet. Ähnlich der Bauchspeicheldrüse decken die Insulinpumpen durch die gleichmäßige Abgabe kleinerer schnellwirksamer Insulinmengen den Grundbedarf über den gesamten Tag. Der entsprechende Bedarf kann vorher einprogrammiert werden. Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird nicht automatisch abgedeckt. Hierfür können per Knopfdruck einzelne Insulindosen abgerufen werden. Integrierte Bolusrechner unterstützen bei der Dosierung einer Bolusgabe.

Closed Loop- oder AID (Automatische Insulin-Dosierung)-System

Von einem Closed Loop- oder AID-System wird gesprochen, wenn eine Insulinpumpe mit einem CGM (Continuous glucose monitoring) -System kombiniert wird. Diese Systeme sollen zukünftig den Insulinbedarf (Basal- und Bolus-Insulin) vollkommen automatisch steuern. Derzeit auf dem Markt zugelassene Systeme steuern die automatische Anpassung des basalen Insulinbedarfs. Das Mahlzeiteninsulin (Bolus) muss allerdings noch selbst abgerufen werden.

Information I

Die schlauchlose Insulinpumpen-Alternative nennt sich Patch-Pumpe.

Typ-2-Diabetes

Bei einem Typ-2-Diabetes ist nicht zwangsläufig eine Insulintherapie erforderlich. Je nach Therapieerfolg wird die Behandlung in 4 Stufen durchgeführt.

1

Stufe 1 umfasst die Basistherapie. Hierbei handelt es sich um eine nicht medikamentöse Behandlung. Ärzt:innen vereinbaren gemeinsam mit Patient:innen individuelle Therapieziele, die Blutfettwerte, Gewicht, Blutdruck, Blutzuckerwert und den HbA1c-Wert (Langzeitblutzuckerwert) einschließen und durch Rauchentwöhnung, Ernährungsumstellung und Steigerung der körperlichen Aktivität erreicht werden sollen.

2

Sofern die Maßnahmen aus der Stufe 1 nicht zum Erfolg führen, wird durch Ärzt:innen in Stufe 2 zusätzlich ein orales Antidiabetikum (vorrangig Metformin) verschrieben.

3

Wenn sich auch nach Stufe 2 die Werte nicht stabilisieren, folgt in Stufe 3 eine Kombination unterschiedlicher Medikamente, die sich gegenseitig ergänzen sollen. In der Regel wird als erstes Medikament Metformin verabreicht und mit einem weiteren oralen Antidiabetikum einer anderen Substanzklasse, das die Wirkung ergänzt, kombiniert.

Reicht die Wirkung der oralen Antidiabetika nicht aus, wird in bestimmten Fällen von Ärzt:innen auch Insulin verordnet.

4

In Stufe 4 beginnt die intensivierte Insulin- und Kombinationstherapie. Hierbei ist das Insulin die Grundlage der Therapie. Es können verschiedene Insuline, auch in Kombination mit weiteren Antidiabetika, verabreicht werden.

In vielen Fällen werden Typ-2-Diabetiker:innen nach längerer Zeit insulinpflichtig.

Schulungen

Sorgfältig ausgewählte Schulungsinhalte tragen dazu bei, dass Diabetiker:innen einen sicheren Umgang mit ihrer Erkrankung erlernen. Dadurch können in vielen Fällen Therapiefehler vermieden werden. Schwerpunkte dieser Schulungen sind, gesunde Ernährung, Blut- und Harnzucker-Selbstkontrolle, positive Effekte durch körperliche Aktivität, Kontrolle der Ketone im Blut oder der Acetonwerte im Urin, Insulin-Wirkung, Wirkung blutzuckersenkender Tabletten, Behandlung und Vermeidung von Unterzuckerungen, Pflege und Überprüfung der Haut und Füße oder das Verhalten in speziellen Situationen wie z. B. beim Sport, beim Reisen oder in der Schwangerschaft.

Bei insulinpflichtigen Diabetiker:innen stehen die Insulintherapie und Selbstinjektion, die eigenständige Kontrolle der Blutzuckerwerte und die selbständige Anpassung der Insulindosis im Mittelpunkt.

Bei nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetiker:innen steht vor allem eine gesundheitsbewusste Lebensweise im Vordergrund.

Ernährung

Für Typ-1-Diabetiker:innen ist es wichtig, den Kohlenhydratanteil von Mahlzeiten schätzen zu können. In Abhängigkeit von Menge und Art der zugeführten Kohlenhydrate wird die richtige Insulindosis berechnet. Maßeinheiten für die Kohlenhydrat-Menge sind die KHE/KE (Kohlenhydrateinheiten) oder BE (Broteinheiten). Weitere Informationen und die Berechnung der Einheiten werden in Diabetes-Schulungen vermittelt.

Typ-2-Diabetiker:innen wird eine abwechslungsreiche, vollwertige und ausgewogene Ernährung empfohlen.

Information I

Für eine langfristig erfolgreiche Ernährungsumstellung sollten immer individuelle Vorlieben berücksichtig werden.

Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung

  • 45 – 60 % Kohlenhydrate
  • 30 – 35 % Fett
  • 10 – 20 % Eiweiße bzw. Proteine
  • Mindestens 30 g Ballaststoffe
  • ≤ 6 g Kochsalz
  • ≤ 50 g reiner Zucker
    (bei 2.000 kcal Kalorienzufuhr)

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Nährstoffe

Fette

Fette haben keinen direkten Einfluss auf den Blutzuckerwert. Es sollten Lebensmittel mit ungesättigten Fettsäuren bevorzugt werden. Hierzu zählen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Beide sind essenziell für den Körper, um gesund zu bleiben. Jedoch ist die westliche Ernährung häufig durch einen Überschuss an Omega-6-Fettsäuren geprägt. Diese können Entzündungen im Körper begünstigen. Aus diesem Grund sollten tierische Fette nur in Maßen aufgenommen werden. Fisch hingegen ist reich an Omega-3-Fettsäuren und sollte nach Möglichkeit 1-2x pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Auch die Verwendung von Raps- anstelle von Sonnenblumenöl hat positive Auswirkungen. Lebensmittel mit Transfettsäuren, die beispielsweise in Fast-Food-Produkten, Backwaren und Chips enthalten sind, sollten vermieden werden. Sie können den LDL-Cholesterin-Gehalt im Blut erhöhen, wodurch das Risiko für eine Gefäßverkalkung und in der Folge einen Herzinfarkt oder Schlaganfall wächst.

Palmöl gehört ebenfalls zu den Nahrungsmitteln, die einen negativen Einfluss auf den Körper haben können. Es besteht zu 46 % aus gesättigten Fettsäuren. Wird Palmöl raffiniert, kann es zur Entstehung von gesundheitlich problematischen Fettsäureestern kommen. Bei der Verdauung können sich unter Umständen krebserregende Substanzen bilden.

Ballaststoffe

Ballaststoffe gehören ebenfalls zu den komplexen Kohlenhydraten und können vom menschlichen Verdauungssystem kaum bzw. gar nicht verwertet werden. Dadurch kann die Aufnahme von Glukose aus dem Darm ins Blut verzögert werden. Ballaststoffe stellen zudem eine kalorienarme Möglichkeit dar, das Volumen einer Mahlzeit zu erhöhen. Mahlzeiten bleiben länger im Magen und das Sättigungsgefühl hält an.

Eine junge Frau beißt genüsslich, mit geschlossenen Augen in ein bestrichenes Vollkornbrot.

Kohlenhydrate

Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydraten sollten bei der Ernährung bevorzugt werden. Hierbei findet der Übergang ins Blut langsamer statt und Blutzuckerspitzen können vermieden werden. Darüber hinaus machen komplexe Kohlenhydrate länger satt. Komplexe Kohlenhydrate sind beispielsweise in Vollkorn-Nudeln, Vollkorn-Brot oder in Hülsenfrüchten enthalten. Auf Nudeln und Brot aus Weißmehl sollte verzichtet werden, da es sich hierbei um schnell ins Blut gehende Kohlenhydrate handelt.

Eiweiße

Es wird für Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren empfohlen, am Tag 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren haben einen Bedarf von 0,9 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Erwachsenen ab 65 Jahren wird ein Bedarf von 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht geschätzt. Diese Empfehlungen gelten sofern keine Nierenschäden bestehen. Bei Menschen mit Nierenschäden ist eine individuelle Beratung zwangsläufig erforderlich, da ein zu hoher Eiweißkonsum negative Auswirkungen haben kann.

Tierische Eiweiße, vor allem von rotem Fleisch, sollten reduziert und durch pflanzliche Eiweiße ausgeglichen werden. Wertvolle pflanzliche Eiweiße stecken beispielsweise in Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide und diversen Gemüsesorten.

In einer ausgewogenen Mahlzeit nehmen Eiweiße nur geringen Einfluss auf den Blutzucker. Sie müssen im Alltag für gewöhnlich nicht zusätzlich berechnet werden, sofern es keine andere Vorgabe gibt.

Pizza – eine besondere Herausforderung für Diabetiker:innen

Pizzabeläge können sehr fettreich sein. Fett verzögert die Entleerung des Magens und somit den Übergang von Kohlenhydraten ins Blut. Die Kohlenhydrate aus dem Teigboden, die zusammen mit einem fettigen Pizzabelag gegessen werden, haben also einen langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels als üblich zur Folge. Wird die berechnete Insulinmenge komplett vor der Mahlzeit verabreicht, kann es zu einer Unterzuckerung kommen, auf die anschließend, wenn das Insulin nicht mehr wirkt, eine Überzuckerung folgen könnte.

Deshalb sollten Diabetiker:innen einen Teil des Insulins vor der Mahlzeit und den anderen Teil eine Weile nach dem Essen spritzen, um mögliche Unter- oder Überzuckerungen weitestgehend abfangen zu können.

Glückliches Ehepaar trinkt ein Glas Wein in der Küche während sie kochen.

Zucker

Auch Zucker können Diabetiker:innen zu sich nehmen. Er sollte jedoch sparsam verwendet werden. Wasser, Kaffee oder ungesüßter Tee sollten Cola, Limonade oder Saft vorgezogen werden.

Alkohol

Alkohol sollte nur in Maßen und im Idealfall in Verbindung mit einer Mahlzeit konsumiert werden, um das Risiko einer Unterzuckerung zu vermeiden. Es wird empfohlen, Kohlenhydrate aus alkoholischen Getränken nicht mit Insulin auszugleichen. Ratsamer ist es, höhere Blutzuckerwerte in Kauf zu nehmen, als eine nächtliche Unterzuckerung einzugehen. Der Alkoholabbau hat im Körper Priorität. Ist die Leber damit beschäftigt, wird die Abgabe von Zuckerreserven aus der Leber ins Blut blockiert. Es könnte Lebensgefahr bestehen!

Information I

Achtung bei Alkohol
Nach dem Verzehr von Alkohol hilft eine Notfall-Glukagon-Spritze nicht.

Sport

Sport beeinflusst das Diabetes-Management positiv und beugt Folgeerkrankungen vor – sowohl bei einem Typ-1- als auch bei einem Typ-2-Diabetes. Da jeder Körper individuell auf sportliche Aktivitäten reagiert, ist es empfehlenswert, die geplanten Trainingseinheiten mit behandelnden Ärzt:innen abzuklären.

Bei der Auswahl einer geeigneten Sportart sollte vor allem der Spaßfaktor im Vordergrund stehen. Auch ist es hilfreich, möglichst viel Bewegung in den Alltag zu integrieren. Lange Spaziergänge sind hierbei ein guter Anfang.

Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking eignen sich auch gut bei Übergewicht. Im Idealfall sollte Ausdauertraining mit Kraftsport kombiniert werden. Dadurch können positive Effekte wie ein gesteigerter Energieverbrauch, der Aufbau von Muskelmasse und ein erhöhter Grundumsatz durch Muskelaufbau erzielt werden.

Weitere Vorteile durch regelmäßige körperliche Bewegung sind ein gesenkter Cholesterinspiegel und Blutdruck, ein vermindertes Risiko für Herz-Kreislauf- und Folgeerkrankungen, eine erhöhte Insulinempfindlichkeit, der Abbau von Stress, ein gestärktes Immunsystem sowie ein gesteigertes persönliches Wohlbefinden.

Freundliche junge Frau führt eine Yogaposition auf einer Yogamatte aus.

Typ-1-Diabetes und Sport

Sport ist bei Typ-1-Diabetiker:innen kein wesentlicher Bestandteil der Therapie, hat aber dennoch positive Auswirkungen. Allerdings gibt es hierbei einige Punkte, die Menschen mit einem Typ-1-Diabetes berücksichtigen sollten:

Vor dem Training:

  • Empfohlener Blutzuckerwert: 126 mg/dl (7,0 mmol/l)-180 mg/dl (10,0 mmol/l)
  • Bei Werten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) sollte auf Sport verzichtet werden
  • Bei normalen Blutzuckerwerten: Insulindosis reduzieren und schnell verwertbare Kohlenhydrate essen

Während des Trainings:

  • Pausen bei längeren Trainingseinheiten einlegen und den Blutzucker prüfen
  • Traubenzucker oder ähnliches griffbereit haben und bei Anzeichen einer Unterzuckerung zu sich nehmen

Nach dem Training:

  • Blutzuckerwert mehrfach testen (Ein Absinken des Blutzuckerwertes ist auch noch nach mehreren Stunden möglich, Zuckerreserven in Muskeln werden aufgefüllt)
  • Zur Vorbeugung einer nächtlichen Unterzuckerung sollten abends langsam verwertbare Kohlenhydrate gegessen werden

Empfehlungen der American Diabetes Association 2026:

Erwachsene mit Diabetes:

pro Woche ≥ 150 Minuten Training bei moderater bis intensiver Aktivität

Jüngere und körperlich fitte Diabetiker:innen:

pro Woche ≥ 75 Minuten Training mit intensiverer Belastung

  • Bewegung an mindestens 3 Tagen der Woche (maximal zwei bewegungsarme Tage hintereinander)
  • Zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining (nicht an 2 nacheinander folgenden Tagen)
  • Sitzphasen alle 30 Minuten unterbrechen

Ältere Diabetiker:innen:

zusätzlich pro Woche zwei- bis dreimal Gleichgewichts- und Flexibiltätstraining

Adipositas-Behandlung

  • pro Woche 200-300 Minuten Bewegung
  • ca. 500 kcal/Tag Energiedefizit (= Kalorienverbrauch höher als Kalorienaufnahme)

Selbstkontrolle

Eine regelmäßige Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte hilft dabei, den Alltag freier zu gestalten. Folgeerkrankungen werden verzögert oder sogar ganz vermieden. Folgende Werte sind bei der Selbstkontrolle zu überprüfen: Blutzucker, Ketone im Blut oder Acetonwerte im Urin, Harnzucker, Blutdruck, Gewicht, Verletzungen am Körper, vor allem an den Füßen.

Um die Ergebnisse problemlos mit den behandelnden Ärzt:innen besprechen zu können, sollten diese in einem Diabetes-Tagebuch oder in einer entsprechenden App festgehalten werden.

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Kontrolluntersuchungen

Ein strukturierter Gesundheits-Check hilft dabei, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Denn je besser Ihr Diabetes medizinisch begleitet wird, desto größer sind die Chancen auf ein langfristig stabiles Wohlbefinden.

Einige Untersuchungen sollten in kürzeren Abständen stattfinden, andere einmal pro Jahr – alle leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Ihre Gesundheit bestmöglich zu erhalten. Die folgende Übersicht zeigt, welche Kontrollen in welchen Intervallen empfohlen werden.

Eine ältere Frau zeigt ihrem Partner den Messwert auf dem GlucoCheck GOLD Blutzuckermessgerät, während er die Diamatapp auf seinem Smartphone geöffnet hält.

Folgende Untersuchungen werden von Ärzt:innen viertel- bis halbjährlich durchgeführt:

  • Kontrolle des Blutzuckerwertes
  • Kontrolle des HbA1c
  • Prüfung des Körpergewichtes
  • Messung des Blutdrucks
  • Prüfung des Fußpulses / der Beine, des Berührungsempfindens und der Temperatur

Folgende Untersuchungen sollten Diabetiker:innen mindestens einmal im Jahr durchführen lassen:

  • Kontrolle der Blutwerte
  • Neurologischer Check-up
  • Nierenuntersuchung
  • Untersuchung der Augen
  • EKG
  • Zahnkontrolle
  • Untersuchung der Gefäße

FAQ

Hier finden Sie schnelle und einfache Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Diabetes-Behandlung. Wir hoffen, dass Sie in diesem Bereich alle Antworten finden. Sollten Sie dennoch Fragen haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

Basisinsulin (auch Basalinsulin genannt) ist ein langwirkendes Insulin. Durch das Hinzufügen von Verzögerungssubstanzen wird es langsamer vom Körper abgebaut und deckt somit den Grundbedarf an Insulin ab. Es wird ein- bis zweimal am Tag injiziert.

Bolusinsulin ist schnell- bzw. kurzwirkendes Insulin, das zur Steuerung des Blutzuckerspiegels nach Mahlzeiten verwendet wird. Aus diesem Grund wird es auch Mahlzeiten- oder Korrekturinsulin genannt.

Mischinsuline sind Kombinationen aus kurzwirksamen und langwirksamen Insulinen und sollen den Blutzuckerspiegel sowohl vor als auch nach einer aufgenommenen Mahlzeit regulieren. Mischinsuline werden hauptsächlich vor der Mahlzeit gespritzt, um einen Anstieg des Blutzuckerwertes nach der Mahlzeit zu steuern.

Insulinanaloga

  • Chemisch hergestellt
  • Aufbau ähnlich dem des natürlich produzierten Insulins, aber modifiziert

Humaninsulin / Normalinsulin

  • Synthetisch hergestellt
  • Aufbau identisch zu natürlich produziertem Insulin
Wirkung /
Wirkdauer*
Insulinart /
Verwendung*

Schnelle Senkung
des Blutzuckerspiegels /
3 – 6 Stunden
Kurzwirksame (Bolus-) Insuline =
Mahlzeiteninsuline /
Mahlzeiten & zur Korrektur

Decken den Grundbedarf
über 24 Stunden /
16 – 48 Stunden
Langwirksame (Basal-) Insuline =
Verzögerungsinsuline /
1 – 2 mal täglich
(meist morgens und / oder abends)
Decken Grund- und
nahrungsabhängigen Bedarf /
ca. 10 – 14 Stunden

Mischinsuline =
Kombinationsinsuline (Kombination aus kurz und lang wirkendem Insulin) /
meist 2-mal täglich

Insuline – Unterscheidung nach Wirkdauer

*abhängig vom Wirkprofil und der vom Arzt oder der Ärztin vorgeschriebenen Dosierung

Mischinsuline gibt es in unterschiedlichen Mischverhältnissen, die nomalerweise direkt hinter dem Produktnamen aufgeführt sind. Bsp.: Berlinsulin® H 30 / 70 (Berlin Chemie) => 30 % kurzwirksames Insulin, 70 % langwirksames Insulin

Im Gegensatz zu einer Insulintherapie, bei der Diabetiker:innen Insulin zur Steuerung ihres Blutzuckerspiegels injizieren, sind orale Antidiabetika Medikamente, die für die Behandlung eines Diabetes in Form von Kapseln oder Tabletten eingenommen werden. Sie kommen häufig bei der Behandlung eines Typ-2-Diabetes zum Einsatz. Orale Antidiabetika haben unterschiedliche Wirkungsweisen. Die Auswahl und Dosierung oraler Antidiabetika ist individuell zu betrachten und hängt von vielen Faktoren ab.

Broteinheiten und Kohlenhydrateinheiten sind Messgrößen, die Diabetiker:innen verwenden, um den Kohlenhydratgehalt von Mahlzeiten oder Lebensmitteln zu ermitteln. Sie sollen helfen, die Aufnahme von Kohlenhydraten zu kontrollieren.

Eine Broteinheit (BE) entspricht ca. 12 g Kohlenhydrate.

Eine Kohlenhydrateinheit (KE) entspricht ca. 10 g Kohlenhydrate.

Eine BE / KE erhöht den Blutzuckerspiegel um ca. 30 bis 40 mg/dl.

Fett beeinflusst den Blutzucker indirekt, indem es die Aufnahme von Kohlenhydraten verzögert. Das kann dazu führen, dass der Blutzucker erst einige Stunden nach einer Mahlzeit mit hohem Fettanteil ansteigt. Bei Mahlzeiten, die viel Fett und Eiweiß enthalten, wie z. B. Quark, kann es sinnvoll sein, dies bei der Insulinberechnung zu berücksichtigen. Die sogenannte Fett-Protein-Einheit (FPE) gibt an, wie viel zusätzliches Insulin für die verzögerte Blutzuckerreaktion nötig sein könnte.

Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme von Zucker aus dem Darm ins Blut und sorgen dafür, dass Mahlzeiten länger satt machen, ohne viele Kalorien zu liefern.

Eiweiß hat im Alltag nur einen geringen Einfluss auf den Blutzucker und muss normalerweise nicht berechnet werden. Bei größeren Mengen Eiweiß, z. B. Käse oder Quark, kann der Blutzucker jedoch erst nach einigen Stunden leicht ansteigen. Bei Bedarf kann dieser verzögerte Anstieg mithilfe von Fett-Protein-Einheiten (FPE) berücksichtigt werden, um die Insulintherapie entsprechend anzupassen.

Durch den Pizzateig werden viele Kohlenhydrate aufgenommen. Der Pizzabelag ist häufig eher fetthaltig, sodass der Blutzucker verzögert ansteigt. Daher sollte bei Pizza ein Teil des Insulins vor der Mahlzeit und der Rest nach einer gewissen Zeit gegeben werden, um Unter- oder Überzuckerungen zu vermeiden.

Unter DMP (Disease-Management-Programm) werden strukturierte Behandlungsprogramme zusammengefasst. Sie sollen helfen, chronische Erkrankungen im Alltag zu bewältigen. Zu den Programmen gehören Schulungen, regelmäßige Arzttermine inklusive Beratungsgesprächen & Untersuchungen sowie das Vermitteln von Selbsthilfemaßnahmen. Bei Typ-1-Diabetes umfasst das Disease-Management-Programm beispielweise folgende Leistungen:

  • Gemeinsame Planung der individuellen Therapie
  • Verschiedene Schulungsprogramme
  • Beratung von Rauchern und Raucherinnen
  • Vorbeugen und Behandeln von Folge- und Begleiterkrankungen
  • Kontrolluntersuchungen durch Arzt oder Ärztin
  • Strukturierte Arzneimittelerfassung

Da zumeist verschiedene Fachärzt:innen an den DMP beteiligt sind, erfolgt die Koordination der Behandlungen durch die Diabetolog:innen oder in selteneren Fällen durch die Hausärzt:innen.

Viertel- bis halbjährlich sollten Blutzuckerwerte, der HbA1c, das Körpergewicht, der Blutdruck sowie der Fußpuls, das Berührungsempfinden und die Temperatur der Beine überprüft werden. Diese Kontrollen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Komplikationen vorzubeugen.

Mindestens einmal jährlich sollten die Blutwerte, ein neurologischer Check-up, die Nierenfunktion, die Augen, ein EKG, die Zähne sowie die Gefäße untersucht werden. Diese jährlichen Kontrollen tragen dazu bei, die langfristige Gesundheit zu sichern und mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Sie erreichen uns unter unseren
kostenfreien Servicerufnummern:

0800 – 1 22 77 77
für Patient:innen

0800 – 1 22 77 79
für Fachpersonal

(Mo — Fr von 8 — 16.30 Uhr)

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